Die "Gustav-Adolf-Kirche" zu Melchendorf-Dittelstedt

Die Dörfer um Erfurt waren katholisch, die evangelischen Bürger besaßen keine eigene Kirche, sondern gehörten bis 1844 zum Parochialverband der Thomaskirche in Erfurt und wurden dann durch die Regierung der näheren Parochie Windischholzhausen zugewiesen. Da aber die Zahl der evangelischen Einwohner ständig wuchs, wurde es notwendig, eine evangelische Kirche zu bauen.

Von 1893 an sammelte der Gustav-Adolf-Verein zu Leipzig "Bausteine" für die evangelische Kirche zu Melchendorf-Dittelstedt, die sich schließlich auf 3.600 Mark beliefen.

Am 03. Mai 1897 wurden sämtliche Bauunterlagen beim Konsistorium zur Nachprüfung und Erteilung der Baugenehmigung vorgelegt.

Die Ausschachtungsarbeiten begannen am 13. Juni 1899.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. Juni 1900 .

Die Gustav-Adolf-Kirche zu Melchendorf-Dittelstedt wurde nach 1883 in Hochheim und 1891 in Witterda die dritte Kirche, die mit Hilfe des G.-Adolf-Vereins erbaute evangelische Kirche für die Bewohner der Mainzer Küchendörfer.

Der Gustav-Adolf-Verein finanzierte den Großteil des Kirchenbaus mit 40.000 Mark. ( Die Gesamtkosten betrugen 46.000 Mark.)

Am 25.August 1901 fand die Glockenweihe der zwei Glocken statt. Die Glocken wurden in der Glockengießerei Karl Friedrich Ulrich (Inhaber Franz Schilling) in Apolda gegossen. Die Kosten beliefen sich einschließlich des schmiedeeisernen Glockenstuhls auf 1.285 DM. Die große Glocke, "Ton C", wog 259 kg. Die Inschrift lautete: "Eine feste Burg ist unser Gott", darunter die Namen der damaligen Mitglieder des Gemeindekirchenrats Melchendorf-Dittelstedt. Die kleine Glocke, "Ton es", wog 157 kg. Ihre Inschrift lautete : "Der Brüder Liebe schuf mich, zum Tempel Gottes ruf ich", darunter die Namen der damaligen Vorstandsmitglieder des Gustav-Adolf-Vereins zu Erfurt.

Am 31.Oktober 1901 wurde die Kirche, welche nach dem Spender benannt wurde, eingeweiht.

Sie ist 24m lang, elf Meter breit, der Turm ist 36m hoch, die Höhe bis zur Dachrinne beträgt 7,5m und bis zum First 14m.

Den Altarraum schmückten ursprünglich vier buntverglaste Fenster der "Frank’schen Kunstanstalt" zu Naumburg.

Das Kirchengestühl besteht aus 24 Bänken mit 200 Sitzplätzen und läßt den Mittelgang frei, außerdem sind auf der Orgelempore und den Seitenemporen noch etwa 70 Sitzplätze.

Die Schlosserarbeiten an der Tür sind von dem Schlossermeister Hüstebeck aus Erfurt, der Kirchenschlüssel ist eine Arbeit des Sohnes und ein Geschenk der Hüstebeck’s.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Orgelpfeifen beschlagnahmt.

Seit dem 01. April 1926 hat die Kirche ständig einen Pfarrer.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die große Glocke für Heereszwecke beschlagnahmt.

Am 27. April 1944 erfolgte wieder eine Beschlagnahmung sämtlicher Orgelmetalle.

Auf Melchendorf und Dittelstedt wurde am 17. März 1945 ein Bombenangriff geflogen, die Kirche blieb unbeschädigt.

Einbrüche und Plünderungen:

  • Einbruch in der Nacht vom 26. /27. April 1903, gestohlen wurde die Taufkanne, die Versicherungsgesellschaft Thuringia ersetzte den Schaden
  • 1910 zwei Einbrüche ohne nennenswerten Schaden
  • In der Nacht vom 08./09. Oktober 1919 war abermals ein Einbruch, entwendet wurden: ein großes Altarkruzifix, zwei große Leuchter, die beschädigt im Feld wiedergefunden wurden, das Taufbecken und zwei kleine Leuchter, die Versicherungsgesellschaft Thuringia bezahlt den Schaden von 218 Mark.
  • Im November 1923 erneuter Einbruch, entwendet wurden: ein zwei mal drei Meter großer Teppich, die Altarbekleidung, die Altardecke, der Kanzelbehang, ein Kruzifix, zwei Paar Leuchter und mehrere Kerzen.
  • Am 22. Juli 1945 wurden die Fenstergitter und Fenster beschädigt, desweiteren wurde das Kruzifix beschmutzt und beschädigt, sowie die Schränke in der Sakristei beschädigt und der Inhalt gestohlen, Akten zerstört und die Altarbekleidung, -decken, -kerzen und –teppiche.

Von nun an waren die Beschädigungen der Kirche immer größer. Alle Holzgegenstände, wie Stühle, Tische, Dielen und Teile des Dachgeschosses wurden verbrannt oder gestohlen. Lediglich einige Orgelpfeifen und vier der 24 Bänke konnten sicher gestellt werden.

Ab 1948 wurde die Kirche wieder instand gesetzt, z.B. der Tischaltar aus Eiche, der Taufstein und die Orgel, die große Glocke wurde nicht ersetzt.

Am 31. Oktober 1951 wurde die Kirche wiedereingeweiht.

Im Jahre 1981 begann der Bau des Wohngebietes "Großer Herrenberg".

Die Restaurierungsarbeiten wurden im Mai 1985 begonnen, es wurde die Orgel erneuert, diese Arbeiten wurden teilweise aus Spendengeldern der Partnergemeinde Wehrheim im Taunus finanziert.

Nach Abschluß der Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche am 22. September 1985 wiedereingeweiht.

Im Herbst 1986 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für ein Gemeindezentrum direkt neben der

Gustav-Adolf-Kirche begonnen.

Die Einweihung des Gemeindezentrums wurde am 31. Oktober 1990 begangen.

 

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Gustav-Adolf-Kirche nach dem 1. Weltkrieg

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Gustav-Adolf-Kirche nach dem 2. Weltkrieg

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